Forschungslandschaft

Frauenanteil: DFG setzt erneut Maßnahmen

21. 7. 2017 | Frauen ergattern viel weniger Professuren, als ihre männlichen Kollegen. Die DFG setzt sich für verbesserte Chancengleichheit ein.
Gender gap
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(© iStock / FotografiaBasica)


Gender gap

Die Anzahl von Professorinnen und Frauen in wissenschaftlichen Führungspositionen steigt in Deutschland zwar langsam an, bleibt aber immer noch hinter den Möglichkeiten zurück. Der Professorinnenanteil liegt hierzulande gerade einmal bei 22 Prozent (ohne Juniorprofessuren). Dabei sind knapp 50 Prozent der Studienabsolventen sowie 45 Prozent der Promovenden weiblich.


Im Hinblick auf diese Zahlen beschloss die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Wissenschaft mit weiteren Maßnahmen vorantreiben. Bereits 2008 hatten sie dazu an den Universitäten die „Forschungsorientierten Gleichstellungsstandards“ eingeführt, die von den DFG-Mitgliedern als Selbstverpflichtung verabschiedet wurden. Nun willigten die Mitglieder im Rahmen der Jahresversammlung in Halle am 5. Juli 2017 erneut ein, Chancengleichheit zur Priorität zu machen.


Auch die DFG selbst will Frauen in der Organisation verstärkt fördern: So wird in den Gremien der DFG in Zukunft eine höhere Frauenquote von 30 Prozent angestrebt werden. Zudem will die Organisation ihre Förderverfahren auf mögliche strukturelle Hemmnisse hin untersuchen, die besonders Wissenschaftlerinnen treffen könnten. Als erste konkrete Änderung beschlossen die Gremien eine Abschaffung der einjährigen Residenzpflicht im Ausland, die derzeit noch Voraussetzung für das Emmy Noether-Programm ist. Zudem soll ein zweckgebundener Familienzuschlag von bis zu 6000 Euro pro Jahr für Kongress- und Forschungsreisen eingeführt werden und Frauen sollen in allen Verfahren stärker an den Begutachtungsprozessen beteiligt werden.


Vorstand und Präsidium der DFG begrüßten bei der Jahresversammlung den inzwischen hohen Stellenwert der Gleichstellung in den Mitgliedseinrichtungen wie auch im Wissenschaftssystem. Dennoch gebe es weiterhin Handlungsbedarf: „Die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Wissenschaft ist noch nicht erreicht. Das bedeutet einen Verlust an Exzellenz und Effizienz: Herausragende Forschung kann auf das Potenzial von Wissenschaftlerinnen nicht verzichten“, sagte DFG-Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek. „Die Universitäten dürfen in ihren Anstrengungen daher nicht nachlassen, um etwaigen Gewöhnungstendenzen entgegenzuwirken. Die DFG wird ihrerseits das kontinuierliche Monitoring fortführen, zugleich aber auch noch stärker auf ihr eigenes Förderhandeln schauen und ein qualitatives Gleichstellungskonzept erarbeiten, um Gleichstellung und die Vereinbarkeit von Beruf und Partnerschaft oder Familie in Zukunft noch stärker konkret zu fördern.“


  (© DFG / AcademiaNet)

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