Forschung

Ältester Vormensch in Europa?

31. 5. 2017 | Eine neue Studie von AcademiaNet Wissenschaftlerin Madelaine Böhme deutet an, dass die Wiege der Menschheit außerhalb von Afrika liegen könnte.
Spektrum.de
Bild vergrößern
Spektrum.de

Der älteste bisher bekannte Vormensch lebte nicht in Afrika, sondern in Europa. Zu diesem Schluss kommt eine Arbeitsgruppe um Madelaine Böhme vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Paleoenvironment (HEP) in Tübingen anhand einer Untersuchung an zwei mutmaßlich 7,2 Millionen Jahre alten fossilen Unterkiefern aus Griechenland und Bulgarien. Wie sie in "PLoS One" berichtet, deuteten besondere Merkmale wie verschmolzene Zahnwurzeln darauf hin, dass die 1944 zufällig bei Bauarbeiten in Athen entdeckte Art Graecopithecus freybergi schon zu einer von den Menschenaffen getrennten Vorläuferlinie des Menschen gehört. Allerdings sind Datierung und morphologische Einordnung noch unsicher, so dass es sich dabei bisher um nicht mehr als eine interessante Hypothese handelt.


Das widerspricht gleich in zwei wesentlichen Punkten dem bisherigen Wissensstand. Einerseits sind derartige Vormenschen bislang ausschließlich aus Regionen südlich der Sahara bekannt, zum anderen geht man derzeit davon aus, dass sich die Linien von Menschen und Menschenaffen vor fünf bis etwa sieben Millionen Jahren trennten. Die beiden Fossilien von Graecopithecus stammen allerdings aus Schichten, die ein ganzes Stück älter sind. Sollten sich diese Befunde bestätigen, wären bisherige Annahmen über den Ursprung der menschlichen Linie auf dem afrikanischen Kontinent in Frage gestellt - angesichts der umfangreichen Befunde, die diese These stützen, eine gewagte Vermutung. Andererseits ist über die Verwandtschaftsverhältnisse an der Basis der menschlichen Linie kaum etwas bekannt, so dass auch eine handfeste Überraschung keine echte Überraschung wäre.

  (© Lars Fischer / Spektrum.de)
Lars Fischer

Nähere Information zu

Referenzen

  1. Erfahren Sie, was unsere Mitglieder über AcademiaNet sagen.

No more excuses!

  1. Lesen Sie in dieser Broschüre mehr über AcademiaNet und Europas Spitzenforscherinnen.

Nachrichten

  1. Säuglinge lernen die Bedeutung von Wörtern im Schlaf

    Babys sind einer Vielzahl von Reizen ausgesetzt. Weil keine Situation der anderen gleicht, ist jeder Moment für sie eine völlig neue Erfahrung – so lange, bis das kindliche Gehirn Ordnung in die Flut der Reize bringt. Es muss die neuen Informationen im Langzeitgedächtnis speichern, ähnliche Erfahrungen zusammenfassen und in Form von Kategorien verallgemeinern. Dafür scheint für die Babys vor allem eines entscheidend zu sein: ausreichend Schlaf. Forscher des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig haben nun gemeinsam mit Wissenschaftlern anderer Forschungseinrichtungen herausgefunden, dass Babys im Schlaf sogar erstmals Wörtern eine Bedeutung geben können - und das deutlich früher, als bisher angenommen.

  2. Physikalische Gesellschaft zu Berlin ehrt Ricarda Winkelmann

    Die AcademiaNet Wissenschaftlerin erhält den diesjährigen Karl-Scheel-Preis.

  3. EMBL wählt Forscherin Edith Heard zur Generaldirektorin

    Die Entwicklungsbiologin wird die Organisation ab Januar 2019 leiten.

  4. Die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger wird Rektorin des Wissenschaftskollegs zu Berlin

    Die AcademiaNet Wissenschaftlerin tritt ihre Stelle am 1. September 2018 an.

  5. Frauenanteil: DFG setzt erneut Maßnahmen

    Frauen ergattern viel weniger Professuren, als ihre männlichen Kollegen. Die DFG setzt sich für verbesserte Chancengleichheit ein.